The Fool

THE ART OF IMPROVISATION

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"Der Narr sieht so klar, dass er sogar den Herrscher beraten kann."

(C.S. Pearson)

 

Franki Anderson arbeitet als Regisseurin, gibt europaweit Workshops und tritt mit ihren Fool-Performances auf. Sie hat in den letzten 15 Jahren den "Fool" erforscht und eine Methode entwickelt, die die natürliche Kreativität in jedem befreien und kultivieren kann. 1995 gründete sie die THE EMPTY SPACE - Organisation in Bristol, ein geschätzter und unterstützender Raum für Lernende und Aufführende. Eine Gemeinschaft für gegenseitige künstlerische Unterstützung, die verschiedene Bereiche zusammenführt (Theater, Tanz, Stimme).

 

Diese Arbeit, die ich bei Franki Anderson gelernt habe, und immer noch lerne, hat mich in meinem privaten Leben und in meinem künstlerischen Werdegang sehr geprägt. Sie ist Grundlage für alle Kurse, die ich gebe, für alles, was ich spiele, für meine Art und Weise, die Welt zu betrachten.

 

Ich bin auf der Reise, den Fool in mir zu entdecken, und noch immer fällt es mir schwer zu beschreiben, was das eigentlich ist. Klar, "Fool" ist das englische Wort für "Narr".

Dabei denke ich an Till Eulenspiegel, an bunte Kostüme und Narrenkappen mit vielen Glöckchen, an mittelalterliche Unterhaltungskünstler, die an der Seite des Königs auf einem schmalen Grad balancierten: Ging ein Scherz zu weit, war eine Wahrheit zu wahr, zu ungewollt, so konnte es den Kopf kosten. Ein starker Archetyp, ja. Aber sehr veraltet, und heute doch bloß noch präsent auf Tarot- und Spielkarten, oder?

Nun, ich muss zugeben: Der Beruf des Narren, obwohl es ihn sehr wohl noch und wieder gibt, ist zwar sehr selten geworden (vielleicht liefe sonst politisch einiges glücklicher als das gegenwärtig der Fall ist?), aber der Archetyp lebt:

Noch immer ist er in unseren Geschichten und Bildern, in unserer Sprache präsent: Das Kind, das in "Des Kaisers neue Kleider" als einziges den Mut hat, die im wahrsten Sinne des Wortes nackte Wahrheit auszusprechen, repräsentiert die Rolle des Narren. Kinder haben, wie eine unserer Redewendungen sagt, oftmals "Narrenfreiheit". Und auch im Karneval sind noch Reste der alten, mit dem Narren in Verbindung zu bringenden, Traditionen zu sehen.

 

"Der Narr bzw. Schelm wird von der konventionellen Gesellschaft nie wirklich eingeschränkt, denn er lernt die Regeln dieser Gesellschaft und wie er das Spiel erfolgreich spielen kann. Diese Fähigkeit beinhaltet, dass er eine geeignete gesellschaftliche Rolle (oder Rollen) spielt, ohne sich jedoch mit ihr zu identifizieren. Narren, die herausgefunden haben, was sie mögen, denken und fühlen, können, ohne in eine Identitätskrise zu geraten, die Rollen wechseln, wenn die Situation oder die Umstände sich ändern. Sie wissen, dass sie nicht ihre Rolle sind." (C. S. Pearson: "Die Reise des Helden in uns")

  

Was aber habe ich als SpielerIN mit dem Narren zu tun?

 

Der Narr sagt die Wahrheit und hält der Welt den Spiegel vor.

Er kann in jede Rolle schlüpfen und aus jeder Rolle wieder aussteigen.

Es gibt dumme Narren und weise, unschuldig und unkonventionell, die einfache und scheinbar offensichtliche Fragen stellen.

 

Wie der Narr kann ich auf der Bühne und im Leben in viele Rollen schlüpfen, und wählen lernen, welche ich spielen möchte. Ich kann die Wahrheit entdecken und aussprechen - es gab Narren, die sehr behutsam damit umgingen, um das königliche Publikum nicht zu überfordern oder um in der Gunst der mächtigen Zuschauer zu bleiben, und es gab Narren, die z.T. sehr ruppig mit der Wahrheit konfrontierten.

Beim Improvisationstheater, so wie ich es unterrichte, geht es um die Wahrheit, denn gespielt wird, was im Augenblick präsent ist: Beim Spieler, bei den Mitspielern, beim Publikum, im Raum. Und nicht nur das Publikum muss den Blick in den Spiegel wagen und aushalten - vor allem ich als SpielerIn werde konfrontiert mit dem, was ist: Sei es schön oder hässlich, erwünscht oder unerwünscht. Es geht also darum, die Wahrheit, also das, was ist, zu akzeptieren - sonst kann ich nicht damit spielen. So erklärt es sich von selbst, dass ein Narr  um eine Begegnung mit sich selbst (auch mit dem eigenen Schatten) nicht herum kommt...

Aber: Der Narr erinnert uns daran, nicht alles so schrecklich ernst zu nehmen...

Wer mehr über den Narren herausfinden möchte, ist herzlich eingeladen, sich auf die Reise zu machen -  vielleicht auch in einem der Kurse, die auf den folgenden Seiten beschrieben werden...

 

 

PDF: Mehr Informationen über diese Arbeit

 

 

 

"Der Narr (...) drückt die innere Pluralität aus und genießt die Schönheit und Freuden jedes Augenblicks, jedes Menschen. (...)

Der Narr erkennt die menschliche Fehlbarkeit und akzeptiert sie (...).

Wenn der Narr in unserem Leben ist, wissen wir, was Freude ist, weil wir von den "Man-sollte"-Vorschriften der Gesellschaft frei sind und wirklich leben können (...).

Der Narr weiß, (...) dass wir nicht mehr kämpfen müssen, sondern einfach froh sein sollten, hier auf dieser Erde zu sein - so, wie sie ist, und so, wie wir sind."

(Aus "Die Geburt des Helden in Uns" von Carol S. Pearson)